Action Combo am Shotover River
Speedboat - White Water Rafting - Helicopter - Canyon Swing
Dieses schon einige Wochen im Voraus gebuchte Action-Paket sollte bereits zu Beginn unseres 3 wöchigen Südinsel Aufenthalts, fast alles bis dato auf der Nordinsel erlebte in den Schatten stellen. Nachdem Christophe und ich am frühen Morgen gegen 7Uhr beim Blick auf die begrünten Bergformation am Stadtrand Queenstown feststellten, dass die in den Tagen zuvor zum Wettergott gerichtet Gebete Gehör gefunden hatten, machten wir uns mit einem vor-freudig-gespannten Kribbeln im Magen auf den Weg zum Treffpunkt. Erst jetzt wurde uns erstmalig der tatsächliche Ablauf unseres Abenteuer Tages präsentiert und wir tauschten die in Auckland für umgerechnet 270€ p.p. erworbenen Papierticket’s gegen eine noch viel wertloser erscheinende Zahlen Nummer Kombination auf unserer Handoberfläche. Die Logik dieser skurril erscheinenden Methode sollte sich uns aber schon wenig später voll erschließen.
Nach 10 Minütiger Fahrt vom Stadtkern Queenstown’s erreichten wir den malerisch gelegenen Shotover River der für den Rest dieses Tages unsere märchenhaft schöne Naturkulisse bilden sollte.
Speedboat
In einem mindestens 2 Nummern zu großen aber durchaus praktischen Regen-Coat gekleidet, erlebten wir den erste Nervenkitzel des Tages. Mit bis zu 80km/h katapultierte uns ein mit 500PS ausgestattetes Jet-Boat für etwa 25 Minuten einen Abschnitt des Rivers entlang. Dabei ist wohl nicht unbedingt die Geschwindigkeit für den enormen Spassfaktor verantwortlich als vielmehr die Tatsache, dass die bulligen und scharfkantigen Felsformationen am Rand des Shotover Rivers teilweise nur um Haaresbreite die Bootskante und die sich darin festhaltenden Passagiere verfehlen. Absoluter Wahnsinn! Sollte dann während der Fahrt doch mal das Gefühl von gewöhnlicher Moterbootsfahrt aufkommen, dann sorgt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Skipper im nächsten Moment durch eine 360° Drehung dafür, dass niemand trocken oder ohne Lächeln im Gesicht bleibt.
Helikopter / White Water Rafting
Kamen wir bei all den Drehungen, dem Spritzwasser und der Geschwindigkeit beim Jet-Boat fahren kaum zum genießen des Shotover Canyons, so sollte uns das Rafting nun die fast 2 Stündige Gelegenheit dafür bieten. Zuvor tauschten wir unsere ungeeignete Kleidung gegen einen Neopren Anzug und einen Helm in Signalfarbe ein und wurden mit mit einem kleinen, 5 Personen fassenden Heli, zum Ausgangspunkt geflogen. Der nur etwa 10 minütige Flug reichte leider kaum aus um all die Emotionen und das atemraubende Panorama aus der Luft verarbeiten zu können. Doch die Enttäuschung über die kurze Flugstrecke werte nicht lange, denn dann saßen wir schon mit 6 weiteren Abenteuer-Hungrigen Touristen im Gummiboot und ließen uns, angetrieben von nur wenigen Ruderschlägen und der natürlich Strömung, den Fluss hinunter treiben. Das Ruder fest in der Hand sowie das Gemeinschaftsempfinden im Boot, gaben uns bald das Gefühl Teil eines Indianerstammes zu sein, denn auch die Szenerie hatte verblüffende Ähnlichkeit mit allen Western-Verfilmungen die mir von Karl May bekannt sind. Christophe und ich hatten zudem, wie zuvor beim Jet-Boat fahren, die beiden vordersten Plätze im Boot ergattert und wurden dafür mit einem uneingeschränkten und einfach traumhaften Blick in alle nur denkbare Richtungen belohnt. Verschweigen möchte ich an dieser Stelle nicht das damit wohl auch die kraftraubendsten Positionen im Boot an uns vergeben wurden, doch auch das sollten wir erst wenig später herausfinden. Schon bald wurden die Stromschnellen stärker und die Kommandos unseres Oberhäuptlings lauter, der am hintern Bootsende seinen Platz inne hat.
Mit dem Wasserspiegel in unserem Boot, nahm auch das nicht enden wollenden Gefühl der Ungewissheit über den nächsten einzuschlagenden Weg durch ein Labyrint von aus dem Wasser ragenden Felsblöcken zu. Die Gischte der vielen “rapits” durchnässte uns unzählige male und mindestens genau so häufig konnten wir uns gerade noch rechtzeitig an den dünnen Riemen am Bootsrant festhalten, bevor wir wieder durch die Naturgewalt durchgeschüttelt wurden. Überglücklich noch immer die gleiche Anzahl an Blutsbrüdern im Boot sitzen zu haben wie zuvor, erreichten wir dann aber doch wieder einen ruhigeren Flussverlauf und konnten somit auch noch ein letztes mal die einzigartige Atmosphäre dieses Ortes auf uns wirken lassen. Unvorstellbar aber war, ganze 2 Stunden hatten wir keinen einzigen Menschen am Shootover River gesehen und abgetrennten von jeglichen andere Einflüsse der modernden Außenwelt die überwältigenden Schönheit der Landschaft für uns allein genießen dürfen.
Nur ein einziges mal konnten wir am Kopfe der teilweise 120m hohen und nicht gerade flach ansteigenden Canyenschlucht ein Haus erspähen. Genau dieses Haus sollte für uns am Nachmittag dann Ausgangspunkt für das Letzte aber nicht weniger dramatische action Erlebnis werden.
Canyon Swing
Gestärkt durch ein ausgiebiges Mittags-Lunch, das Christophe und ich in der niedlichen Innenstadt Queenstowns genossen hatten, checkten wir dann zum dritten mal am selbigen Tage gegen 14Uhr im Office des Tourveranstalters ein. Die mit Wasserfesten Stift noch am Morgen auf unserer Handoberfläche notierten Zeichen hatten glücklicherweise den Herausforderung beim Rafting standgehalten. Nun hieß es für, unter Mithilfe von den wirklich super sympatischen Staff’s und jeder Menge Video Beweismaterial von unseren Vorgängern, den gewünschten “Jumpstyle” zu finden. Denn neben der schon jetzt in uns Adrenalinen ausschüttenden Tatsache, dass wir bald von einer 109 Meter hohen Plattform in einen Felsigen Canyon springen würden, ist die Sprungvariante von entscheidender Bedeutung. Sie reicht vom weniger Angst einflößendem Vorwärdssprung (eine Unterhose auf der Scary Bewertungsskala) bis zum “Gimp boy” Sprung, bei dem man Kopfüber hängend dem scheinbaren Verderben ins Auge blicken muss (fünf Unterhosen auf der Scary Bewertungsskala).
Die endgültige Entscheidung darüber ist dann aber erst kurz vor dem Moment der Wahrheit bekannt zugeben, also dann wenn man bereits mit weichen Knien und dem nötigen Geschirr ausgestattet, im Innenbereich der Absprungplattform steht. Einfach alles um dich herum scheint dann für etwa 5 Minuten bedeutungslos zu werden. Weder die Faszination für die Landschaft oder die mit dir wartenden 4-5 anderen Springer können dann in dem Augenblick, wenn der Guide dich zum Absprungplatz bittet, noch wahrgenommen werden. Der Adrenalin Schub ist schlicht und ergreifend überwältigend und wird nur noch ein einziges mal an diesem Tag getoppt… wenn der Guide die Sicherungsvorrichtung löst! 60 Meter freier Fall, 150 km/h Topspeed und ein Swing-Bogen von etwa 200m, lassen sich leider durch keine weiteren Worte auch nur annähernd wiedergeben.
An diesem Mittwoch Nachmittag lernten wir nicht nur unseren eigenen Belastbarkeitsgrenzen kennen, sondern bekamen auch ein Gefühl dafür, was ein typischer Kiwi auszudrücken vermag, wenn er die omnipräsenten Worte “Pretty Awesome” benutzt.
Offizielle Seiten: www.canyonswing.co.nz
