Lost World - 100m Abseil Waitomo Caves New Zealand
Lost World 4 Hour - 100m abseil into the Lost World Martin

Besuchercenter in Waitomo
Die im Waitomo Besucher-Center auf einer großen Glaswand futuristisch wunderbar in Szene gesetzten „Amazing Options“, machten mir die Wahl für eine Abenteuer-Tour ganz besonders schwer. Hatte doch jede der dort angeboten Aktivitäten seine speziellen Reize und Vorzüge.
Während das Blackwater Rafting oder das Rock Climbing im weit verzweigten Höhlensystem einen enorm großen Aktionfaktor versprachen, könnten die anderen Touren den eigenen Pulsschlag mit einer überwältigenden Aussicht auf eine „Vergessen Welt“ erhöhen. Der Wunsch danach einmal Glowworms in Ihrer natürlich Umgebung bewundern zu können, kann dabei in jeder der 5 Angeboten Touren, mit 100%iger Sicherheit erfüllt werden.
Wonach aber dann entscheiden welcher Trip der richtige ist, wenn man wie in meinem Falle beides gern erleben würde aber die Zeit dafür wieder einmal nicht ausreicht? Die zweite allzeit knappe Ressource sollte zwar an dieser Stelle kurz bedacht werden, der Einsatz von Plastikgeld spielte jedoch bei meiner Entscheidungsfindung keine übergeordnete Rolle
. Da ich auch die anderen Voraussetzungen, wie das Mindestalter, Größe und Gewicht erfüllte, traf letztendlich mein Bauch die Entscheidung für eine Reise in die „Verlorene Welt“. Erst später sollte mir bewusst werden, dass es wohl keinen treffenderen Namen für dieses Abenteuer geben kann.

Wir lassen den kleinen Bus zurück und laufen zu Fuß weiter!
Zunächst allerdings, machten sich um 14:30 erst einmal eine 7 Köpfige Gruppe mit einem Kleinbus auf den Weg zu einem ansonsten nicht zugänglichen Privatgelände. Nachdem wir mehrere Koppeln durchfahren hatten, auf denen mal Schafe, mal Rinder oder auch Pferde nahezu ungestört ihreren Lieblingsbeschäftigungen nachgehen können, erreichten wir ein unscheinbares Haus mitten im Nirgendwo. Doch hier sollte der aufregende Teil für Christophe, der sich entschieden hatte mich zu begleiten, und mich erst beginnen.
Innerhalb von weiteren 10min wurden wir durch die beiden Tour-Guides mit passenden Blaumännern, Gummistiefeln, einem Bergsteiger-Geschirr sowie einem zugegeben etwas albern aussehenden Helm versorgt. Nachdem das Equipment von beiden Guides gewissenhaft auf Passgenauigkeit und Elastizität geprüft worden war, machten wir uns bei heiterem Sonnenwetter und angenehmen 20Grad auf den Weg… ja wohin eigentlich? Das vor uns liegende Terrain war uns von seiner Schönheit zwar bestens bekannt, allerdings hätte man das angenehme grün und das scheinbar grenzenlose hügelige Relief auch anderswo, für weit aus weniger Geld besichtigen können! Dachten vermutlich in dem Moment auch die anderen 4 Touristen die brav in einer Reihe den beiden Tour-Guides folgten. Bis auf einmal unser kleiner Tross kurz vor einem dieser zahlreichen Grashügel zum stehen kam und einer der Guides begann uns das sichere einsetzten unserer Karabiner zu erklären, die an dem getragen Geschirr bislang scheinbar nur zur Zierde von uns mitgetragen worden waren. Das spielerisch erklärte und geübte Einhaken an einem zunächst von Stange zu Stange gespannten Seil war auch noch nicht wirklich das Abenteuer das wir uns erhofft hatten. Doch während wir das richtige umsetzen der Karabiner Haken an dem Verbindungsstück zwischen zwei gespannten Seiten eines Seils, ein ums andere mal übten, und die Konzentration ganz dem richtigen Ablauf der Sicherungsschritte galt, hatten wir uns unbemerkt ein paar Meter an einer unscheinbaren Erdwand entlang, zwei bis drei Meter abwärts bewegt. Unser Blick galt noch immer dem Seil, an dem wir unsere Karabiner einzuhaken hatten, als uns plötzlich unser Guide erneut um Aufmerksamkeit bittet.

Blick ins Höhleninnere
Was meine Augen sahen und auch mein Kopf langsam zu realisieren begann, war wunderschön und doch unheimlich. Unter der eigentlichen Welt, hatte sich über Jahrtausende eine neue “Verlorene Welt” gebildet, die erst vor knapp 100 Jahren erstmals durch einen Menschen entdeckt werden konnte. Die sich nach unten öffnenden Felsspalte, die an dieser Stelle wahrscheinlich nicht größer als 15m² ist, ist beidseitig mit Pflanzen bewachsen.
An diesem Tage reichten die Strahlen der Sonne aus, um ihre Lichtspendende Wirkung bis zum Boden dieser gut 100 Meter tiefen begrünten Felsschlucht zu entfalten. So blieb uns auch der kleine Bach, der sich gleichmäßig und beruhigend seinen Weg durch die Verlorene Welt suchte, nicht vorenthalten.
Lange konnten wir diesen Aus- oder besser gesagt diesen Einblick in die Unterwelt nicht von oben genießen, denn dann führte uns der Guide zu einem weiteren vielleicht etwa 30 m² großen Loch im Höhlendach. Das Abseilen in über einhundert Meter Tiefe sollte beginnen.

100 Meter Abseilen
Ich kann heute nicht mehr genau sagen welches der vielen Gefühle die ich in dem Moment hatte stärker war, als ich den sicheren Erdboden gegen ein einziges Seil eintauschen musste, um mich dann damit in Richtung Höhlenboden abseilen zu können! Doch mein Puls war in jedem Falle nahe der 180iger Grenze. Doch schon wenigen Sekunden nachdem ich frei in der Luft schaukelnd, gemeinsam mit Christoph in Richtung Höhlenboden glitt, zog mich das mystische dieses Ortes wieder in seinen Bann.
Da das Tempo beim Abseiling jeder selbst bestimmen kann, kosten wir ungestört jeden Meter und somit jede Sekunde bis zum erreichen des Bodens der “Mangapu Cave” aus. Einfach Phänomenal und ganz nebenbei auch noch einzigartig, denn es gibt keinen Ort auf der Welt wo man als Leihe eine ähnliche Distanz beim Abseiling zurücklegen kann!

Kleiner Snack zur Stärkung
Nach dem wir wie einst Frodo und Sam auf einer Felsspalte einen kleinen Snack zur Stärkung zu uns genommen hatten, machte sich unsere kleine Gruppe auf den Weg in die Untergrund Region, in die keine Sonnenstrahlen mehr vordringen können. Nun machte auf einmal auch das tragen des ansonsten bedeutungslosen roten Helmes Sinn, denn nun spendete die an Ihm befestigte LED Leuchte, dass einzige noch verbliebene Licht im Dunkeln. Er bewahrte mich auch vor der ein oder anderen Beule am Kopf, den auf dem Weg zu unserem “Glowworm” Paradies mussten wir so einige schwer zu passierende Tropfsteinformationen und andere vom Wasser geschliffene Gesteinsformationen, passiert werden. Beim ducken, kriechen, klettern, hangeln und springen durch die einstige Heimat der Zwerge, stieß ich mit meinem Helm mehrmals gegen den hellgrauen Kalkstein.
Als wir nach etwa 10min den Rand des an dieser Stelle wilderen Baches erreichten, und keine Möglichkeit Bestand diesen zu überqueren oder gar zu umlaufen, stellten wir uns schon auf eine feuchte Durchquerung des selbigen ein. Doch unser Guide überraschte uns zum zweiten mal an diesem Nachmittag mit der Bitte uns eine möglichst bequeme Sitzposition auf einen der vielen Steine Kalksteine zu suchen. Nur wenige Augenblicke später schaltete der Guide unsere Helm-Lampen aus und sagte das wir nun am Ziel des heutigen Tages angelangt seien. Und tatsächlich, über unseren Köpfen schimmerten hunderte bläuliche Lichter!

Glowworms überall an der Decke
An der Decke, die an dieser Stelle keine 3 Meter über unseren Köpfen entfernt war, hingen diese Wurmförmigen Insekten, die bis zu diesem Zeitpunkt von uns unentdeckt geblieben waren. Das “Warum” und “Wodurch” diese Insekten in der Lage sind dieses klare Licht abzugeben, erklärt an dieser Stelle vielleicht besser ein Wikipedia Artikel, doch die “Wirkung” konnte in diesem Augenblick nur uns Beeindrucken. Es war, als schaue man in einen besonders klaren Sternenhimmel und als könnte man alles jemals Gesehene für den Moment vergessen. Der rauschende Bach spielte die Hintergrundmusik für ein wieder einmal unvergessliches Naturerlebnis.
Verheimlichen möchte ich an dieser Stelle nicht, dass natürlich auch der Aufstieg in die wirkliche Welt wieder zu meistern ist. Eine etwa 30 Meter lange, schnurgerade Metalltreppe muss zunächst überwunden werden, bevor weitere 50 Höhenmeter auf dem bereits bekannten Kalkstein und etwas weniger Steigung erklommen werden müssen. Zur Belohnung für die Anstrengung gibt es dann aber noch einmal eine Herzförmige Felsformation in Mitten eines Mangroven ähnlichen Wäldchens am Höhlenausgang zu bestaunen.

Herzformation im Jahrtausende alten Stein
Beim Rückweg zur Ausgangsstation hatten wir dann bei noch immer strahlendem Sonnenschein genügend Zeit, dass in den voran gegangenen 4 Stunden erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen. Merkwürdig ist nur, dass man plötzlich jeden einzelnen Schritt viel bewusster geht, wenn man weiß das unter den eigenen Füßen noch eine weitere, „Verlorene Welt“ liegt!!!
