Skydiving Queenstown
Der 16.12.2009 sollte ein unvergesslicher Tag in meinem Leben werden, denn ich hatte mich für einen Fallschirmsprung aus 15.000 FT etwa 4.500m entschieden. Hatte ich das wirklich, ich muss wahnsinnig gewesen sein. Vielleicht war es auch wieder die Werbung die mich beeinflusst hat: “Mit Weltraumausrüstung an einen erfahrenen Tandemmaster angeschnallt, WAGEN SIE IN 4500 METERN HÖHE DEN SCHRITT INS NICHTS UND STÜRZEN 65 SEKUNDEN LANG MIT 200 KM/H IN DIE TIEFE. Dann öffnet Ihr Tandemmaster den verstärkten Tandemfallschirm und lässt Sie sicher zur Erde schweben. Sie werden einen Rausch der Sinne erleben, während Geist, Seele und Körper im Kampf mit Ihrem Selbsterhaltungstrieb liegen. Die persönliche Herausforderung ist enorm. Denn das Einzige, was Sie davon abhalten kann, diese Ur-Erfahrung zu genießen, die Ihr Leben verändern wird, ist Ihr eigener Kopf. Sie haben die Wahl. Entweder Sie wagen es und können sagen: “Ja, ich habe es getan!” - oder Sie müssen sich Ihr Leben lang eingestehen, dass Sie die Gelegenheit versäumt haben, zu einem vollständigen Menschen zu werden.” Zum Video Skydive in Queenstown …
Zur Option standen noch 12.000 FT etwa 3.650m und 9.000 FT etwa 2.700m. Egal, nun gab es keinen Weg zurück mehr schließlich wird es für mich auch langsam Zeit ein “vollständiger Mensch” zu werden
. Zudem haben es schon ca. 160.000 Leute vor mir überlebt, jedenfalls bei NZONE in Queenstown.
Um 9:30 Uhr fand ich mich zum briefing in der NZONE Base ein, wo wir die ersten Instruktionen bekamen und ich alle Ansprüche gegenüber dem Veranstalter im Fall der Fälle abtreten musste. Komisches Gefühl, aber alle der Teilnehmenden unterschrieben, so auch ich. Wie der Zufall wieder wollte, waren in der international bunt gemischten Skydivekolonne auch zwei weitere Deutsche, mit denen ich später im gleichen Flugzeug sitzen sollte. Konrad und Stefan waren schon viel in Neuseeland rumgekommen und so schnatterten wir auch gleich munter drauf los. Mit dem Bus ging es nun zum Flughafen und der eigentlichen Base, wo es dann auch bald soweit sein sollte den Sprung zu wagen. Konrad und ich machten uns einen leckeren Kaffee in der Hoffnung einige Minuten oder Stunden über Neuseeland zu plaudern. Beim Skydive weiß man nie so recht wielange man warten muss, denn das Wetter schien am Morgen garnicht so berauschend zu werden. Aber im Laufe des Vormittags klarte es immer weiter auf und die Sonne ließ sich immer wieder mal blicken. Wir kamen also nicht einmal dazu unseren Kaffee überhaupt zu probieren und die Guides warteten schon auf uns. Anzug an, Fallschirm auf, kurze Instruktionen und los gings…! Zeit zum plaudern hatten wir also nicht mehr. Mein Instructor Namens Kras kam aus Brasilien und wir verstanden uns von Anfang an ziemlich gut. Witziger Typ und die Ruhe in Person! Später bekam ich noch heraus, dass er an diesen Tagen bis zu 10 Sprüngen täglich macht.
Nachdem Konrad, Stefan und ich fertig angezogen und ein paar Male gecheckt wurden, ob denn auch alles ordnungsgemäß sitzt, ging es ins Flugzeug. In die kleine Cessna quetschten sich 9 Leute rein (Jeder mit seinem Tandemguide + Kameramann). Kras erklärte mir während des 20minütigen Fluges nochmal alles ganz genau, insbsondere den Austieg und dass ich meine Hände ja an den Gurten vor der Brust lassen sollte. Warum ich das erwähne, werdet ihr dann im Video sehen, *hehe*! Im Flugzeug war eine Totenstille, nur die Guides versuchten die Atmosphäre etwas aufzulockern. Kras zeigte mir auch alle paar Minuten den Höhenmesser, um mir zu signalisieren dass es bald losgeht. Er kettete mich an sich und checkte alles noch ein Zweites mal durch, besser auch denn nicht das ich unterwegs verloren gehe. WIe auch immer die Zeit im Flugzeug verging wieder viel zu schnell und nun sollte es auch schon soweit sein. Mein Kameramann drehte die letzten Videoszenen im Flugzeug und öffnete die Tür des Flugzeugs. Da ich beim Einstieg wieder mal der letzte war, war ich nun hingegen der erste, der wieder aussteigen durfte
. Oh my godness dachte ich mir nur so und fragte Kras daraufhin what I am doing? Er antwortete ganz trocken: Jumping, what else!
Der Kameramann hing sich wie bei James Bond aus dem Flugzeug, um mich und Kras beim rausspringen zu Filmen. Kras krabbelte mit mir zur Tür und zählte 3…2…1 jump! Ahhhhhhhhhhhh………! Nun lagen 65 Sekunden freier Fall vor mir und die Beschleunigung war der absolute Hammer. Nachdem mir Kras dann mit mehrmaligem Klopfen auf die Schulter zu verstehen gab, dass ich meine Arme ruhig zur Seite nehmen kann konnte ich auch endlich entspannen. Das Gefühl der Freiheit ist der absolute Wahnsinn. Nach der Beschleunigung fühlt man den freien Fall nicht mehr und man spürt regelrecht wie der Körper das Adrenalin freisetzt. Der Kameramann kam auch plötzlich angeflogen und wir fasten uns an den Händen. Kurz darauf war er auch schon wieder weg und Kras flog mit mir durch eine Wolke. In meinem Gesicht spürte ich winzig kleine Eisperlen, ähnlich wie ein Pieling nur etwas stärker und kälter. Meine Wangen flatterten im Wind und es war verdammt kalt dort oben. Die Zeit verging mal wieder wie im Fluge
und Kras öffnete den Fallschirm was uns beide ziemlich stark zurück warf. Kein Wunder bei so einer Vollbremsung. Bis jetzt war jede Sekunde ein voller Genuß aber um so länger wir mit dem Fallschirm herumflogen, desto unwohler wurde mir. Der Starke Wind trieb uns immer wieder vom Kurs ab, sodass Kras viele Kurven fliegen musste. Nicht mein Favorit und nach ca. 6 Minuten kamen wir dann auch wieder am Flugplatz an. Die Landung war perfekt und ich war froh wieder den Boden unter meinen Füßen zu spüren. Ich bedankte mich bei Kras für dieses unvergessliche Ereignis, auch wenn mir nochimmer nicht ganz wohl war. Bis dato konnte ich auch ehrlich gesagt noch garnicht realisieren was ich denn da überhaupt gemacht hatte. Es war auf jeden Fall der absolute Hammer und die Glücksgefühle sind unbeschreiblich. Ich denke ich belasse es bei dem einen Mal, auch wenn man sicherlich beim zweiten und jedem weiteren Male mehr relaxen kann, da man weiß was auf einen zukommt.
Fazit: 15.000 FT (4.500m) und 65 Sekunden freier Fall sagen alles! Einfach nur Wahnsinn und amazing…!
